Gedichte

Engel

Ich sitze am Fenster, betrachte die Welt

Sehe, wie ein Blatt zu Boden fällt

Vor meinen Augen sind grüne Wiesen

Doch ihren Anblick kann ich nicht genießen

Auch den Wald in der Ferne

Betrachte ich nicht gerne

Er scheint für immer dort zu verharren

Nur um mich böse anzustarren

Ich stelle mir vor Steine auf die Vögel zu werfen

Die mich mit ihrem schrillen Gesang tödlich nerven

Doch wie stets werde ich sitzen bleiben

Und das Leben dort draußen meiden

Mein Leben hat keinen Sinn

Ich spüre dass ich zu Nichts auf Erden bin

Das Gefühl der Liebe habe ich nie verspürt

Das Schicksal eines Menschen hat mich nie berührt

Ich scheine mein Leben in einer Kapsel zu verbringen

Durch die solche Gefühle nicht dringen

Die Landschaft vor meinen Augen ödet mich an

Doch die werd' ich seh'n, mein Leben lang


Müde schließe ich meine Augen

Als Etwas beginnt in meinem Inneren zu saugen

Es nimmt meine dunklen Gedanken mit fort

Und lässt statt dessen Frieden dort

Plötzlich fühle ich mich ausgeglichen

All das Traurige ist gewichen

Nun merke ich wie schön das Leben eigentlich ist

Und spüre, solche Gefühle habe ich immer vermisst

Freudig öffne ich meine Augen

Und kann es kaum glauben

Auf den Wiesen blüht es bunt

Alles lebt und ist gesund

Auch der Wald ist wunderbar

Und die Vöglein singen klar


Da höre ich ein Geräusch hinter mir

Ich merke schnell, jemand ist hier

Nun erblicke ich dich

Die Tür schließt sich

Doch ich sehe nur dich an

Und frage mich, wie es sein kann

Dass so etwas Wunderbares auf Erden lebt

Und ausgerechnet hier vor mir steht

Eine tiefe Liebe strahlt aus dir heraus

Dein ganzer Körper drückt sie aus

Du bist umgeben von Licht

Und ich weiß, ein Mensch bist du nicht


Es ist ein Engel in dessen Augen diese Liebe glimmt

Es ist ein Engel der meine Hände in die seinen nimmt

Es ist ein Engel den ich vor mir sehe

Es ist ein Engel mit dem ich nun gehe

Ich weiß nicht, oh Engel, was dir an mir gefällt

Doch du zeigst mir die Einmaligkeit der Welt

Mit dir bewundere ich den Klee

Mit dir entdecke ich die Herrlichkeit von Schnee

Mit dir betrachte ich den Sonnenuntergang

Mit dir gehe ich die Feldern entlang


Schließlich sagst du zu mir „ich liebe dich!“

Und drückst dich fest an mich

So fliegst du mit mir in dein Reich

Denn oben im Himmel ist dein Bereich

Schon von der Ferne höre ich den Engelsgesang

Dieser nimmt mich ganz in seinen Bann

Etwas so vollendetes habe ich nie zuvor vernommen

Schon deshalb hat es sich gelohnt mit hoch zu kommen

Hier oben ist alles so einmalig toll

Bei euch gibt es weder Schmerz noch Groll

Die Wolken sind unglaublich weich

Und ihre Formen so abwechslungsreich


Von deiner Liebe bekomm' ich nicht genug

Deine Gegenwart tut mir so gut

Jeden Wunsch liest du von meinen Augen ab

Und bekommst es auch nicht satt

Alle sogleich zu erfüllen

Nichts kann ich vor dir verhüllen


Ich bin ein Mensch, eine Sehnsucht ist geblieben

Du spürst, ich möchte auch selbst mal zu fliegen

Und mit einem Lächeln voller Wärme

Gibst du mir deine Flügel sehr gerne

Dein Vertrauen werde ich nicht missbrauchen

Doch jetzt will ich erst ins Vergnügen tauchen

Wie wild fliege ich umher

hab nicht genug, will immer mehr

Du wartest auf einer Wolke voll Gutmütigkeit

Denn hier oben existiert keine Zeit

Endlich, endlich habe ich genug

Und eile auf dich zu, im raschen Flug

Wie schnell ich jetzt rase haut mich fast von den Socken

Da bemerke ich, ich kann nicht mehr stoppen


Da ist er schon, der Zusammenstoß

Erschrocken lässt du die Wolke los

Du glaubst noch immer, ich lass dich nicht im Stich

Allzu groß ist dein Glaube an mich

Aber vor Schreck bin ich total verwirrt

Und ehe ich begreife was passiert,

Bevor ich verstehe, was geschah

bist du im Fallen der Erde schon nah

Da endlich stürze ich hinter dir her

Meine Sorge um dich bedrückt mich sehr

Schneller, schneller, treibe ich mich an

Mach, dass ich dich noch auffangen kann

Doch ich merke, dass ich es nicht schaffen werde

So stürzt du in schnellem Fall auf die Erde


Nun liegst du verletzt am Boden

Eiligst komme ich angeflogen

Ich möchte dich aufheben

Und wünsche mir du mögest leben


Plötzlich Schritte, ich verstecke mich schnell

Eine Stimme ist zu hören, zart und hell

Sie spricht besorgt mit dir

Ihr seid dort, ich bin hier

Sieht man euch, merkt man sofort

Ihr seid gemeinsam an einem andren Ort

Ihr könnt nicht aufhören euch zu betrachten

Und sanft beginnt sie, dich in ihr Haus zu verfrachten

Wie ein Schatz wirst zu von ihr gehegt

Ganz zart wirst du von ihr gesund gepflegt


Von draußen starre ich zu euch hinein

Ich weiß, nun bin ich allein

So glücklich habe ich dich nie gesehn

Doch ich kann dich gut verstehn

Meine Liebe zu dir war nicht so tief

Zwischen uns lief es einfach schief

Mit ihr machst du einen Neuanfang

Und ihr ergänzt euch wie Yin und Yang

Wie süß und nett ihr beide doch seid

Eure Liebe ist unendlich tief und weit

Es braucht nicht viel das zu erkennen

Nichts und niemand wird euch je trennen


Euch zuzuseh'n hat keinen Zweck

So gehe ich gemächlich weg

Die Flügel lege ich zuvor noch nieder

Denn die brauchst du sicher wieder

Ich sehe mich noch einmal um

Dann geh' ich weiter, weine stumm

Meine Füße sind so schwer wie Blei

Doch meine Chance ist längst vorbei


(27. 06. 2007)

copyright beim autor

1 Kommentar 27.6.07 16:21, kommentieren

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Die Zitrone

Sie wollen mir einreden, ich sei nicht, für was ich mich halte.

Sie färben mich und stopfen mich voll mit ihren Sachen.

Passen mich an.

Ich bin ich.

Ich bin frisch und voller Sonne

Ich


Sie nehmen mich, lassen mich reifen, drücken mir ihren Stempel auf.

Von der Sonne geküsst

Sie nutzen meinen Saft, sie quetschen mir das Leben heraus.

Sie nehmen meinen Duft, um Geschirr zu spülen, um Hände zart zu machen.

Sie nehmen meinen Samen, um mehr zu ziehen.

Sie werfen meine Haut, meine Schale fort.

Es bleibt nichts übrig.


Und ich möchte mir die Haut abziehen und euch die Sonne zeigen.

Ich verfluche euch, ja euch.

Ihr sollt mich sehen, denn ihr kennt mich nicht.

Sagt nicht, dass ich unecht bin,

es gibt mich

ich bin ich

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das gedicht habe ich mal gelesen, es stand leider nicht dabei, wer es geschrieben hat (genau genommen habe ich es in einem buch für Aufklärung von kindern gelesen :D ) und jugendliche haben darin bisweilen ein gedicht oder ähnliches geschrieben.. der inhalt des buches war mir nicht neu, aber dieses gedicht fand ich faszinierend, deshalb hab ich es abgeschrieben

25.6.07 16:24, kommentieren

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!

Einsam ist jeder Busch und Stein,

Kein Baum sieht den andern,

Jeder ist allein.


Voll von Freunden war mir die Welt

Als noch mein Leben licht war;

Nun, da der Nebel fällt,

Ist keiner mehr sichtbar.


Wahrlich, keiner ist weise,

Der nicht das Dunkel kennt,

Das unentrinnbar und leise

Von allen ihn trennt.


Seltsam, im Nebel zu wandern!

Leben ist Einsamsein.

Kein Mensch kennt den andern,

Jeder ist allein.


(Hermann Hesse)

25.6.07 16:12, kommentieren

Wie dunkel ist es in diesem Zimmer

Doch hier werd ich sein, für immer…

Ich falte meine Hände im Schoß

Mein Bangen ist groß

Wär’s ein Traum, ich würd’ aufwachen

Doch so – was soll ich machen?


Bedrückend ist die Dunkelheit

Ich habe kein Gefühl mehr für Zeit

Ich scheine in einem Strudel zu versinken

Allmählich drohe ich zu ertrinken

Es ist unmöglich an der Oberfläche zu treiben

Ich schaff’s nicht über Wasser zu bleiben


Wie trostlos ist die Stille

Langsam stirbt mein Überlebenswille

Sinnlos ist mein Leben

Nur von Einsamkeit bin ich umgeben

Allein die Hoffnungslosigkeit

Ist groß und schrecklich weit


So lass’ ich mich auf einem Stuhle nieder

Aufsteh’n werd’ ich wohl nie wieder

Man meint, die Wände kommen näher

Als wären sie des Todes Späher

Die in diesem Zimmer schon weilen

Endlich wird der Tod mich ereilen


Da trifft mich etwas im Gesicht

Überrascht bemerke ich, es ist Licht

Wie lange hab ich mich danach verzehrt?

Wie lange hab ich das Licht entbehrt?

Freudig betrachte ich den Strahl

doch er ist recht schwach und schmal



Ich sehe durch den Raum

Und traue meinen Augen kaum

Der Lichtschein kommt durch eine Tür in der Wand

Die sich dort wohl schon immer befand

Nun steht die Tür leicht offen

Deshalb hat mich der Strahl getroffen


Lege ich die Fakten dar

So wird mir mit Entsetzen klar

Hätte ich etwas versucht

Hätte ich einen Ausweg gesucht

So wäre ich diesem Elend entkommen

Jetzt aber ist zu viel Zeit verronnen


Draußen höre ich Kinder lachen

Ich frage mich, was sie wohl machen

Doch ich bin zu schwach um nachzusehn

Sogar zu schwach um aufzustehn

Zwar will ich vom Stuhl aufspringen

Aber die Versuche misslingen


Ich könnte zwar um Hilfe schreien

Ich weiß, die Kinder würden mich befreien

Und vielleicht würde es ihnen gelingen

Doch was würde mir das bringen?

Es ist zuviel Zeit vergangen

Um mit meinem Leben noch was anzufangen


(11.06.2006)

copyright beim autor

23.6.07 23:23, kommentieren